Infektiöse Keime auf dem Vormarsch

Experten waren vor der Verbreiung multiresistenter Erregern

 

Infektionen im Krankenhaus sind ein gesundheitspolitisches Thema geworden. Nicht nur dass Patienten durch krankmachende Keime geschädigt werden. Auch der Ruf einer Klinik oder sonstigen medizinischen Einrichtung kann darunter leiden. Und die Infektionen nehmen zu! Resistenzen gegenüber Antibiotika, neue Stämme von Krankheitserregern, Hygienemängel und auch die Zunahme multimorbider Patienten sind die Ursachen einer besonderen Seuche.

Die industrielle Tiermast verursacht Probleme besonderer Art. Bakterien entwickeln immer häufiger Resistenzen gegen Antibiotika. In den letzten Jahren häufen sich auch die MRSA-Nachweise bei Schweinen. Untersuchungen an Wildschweinen haben gezeigt, dass S. aureus nicht nur natürlichen Besiedlungsflora von Schweinen zählt. Menschen mit beruflicher Exposition gegenüber LA-MRSA waren  zu 77 bis 86 Prozent nasal kolonisiert. Die Nachweishäufigkeit steigt proportional zur Bestandsgröße und den Antibiotikagaben in diesen Anlagen.

Mit dem Auftauwasser konventionell gehaltener Masthähnchen konnte ein weiterer Expositionsweg aufgedeckt werden, so Wissenschaftlicher des Robert-Koch Instituts Wernigerode auf dem 10. Ulmer Symposium Krankenhausinfektionen. Bei einer unzureichenden Küchenhygiene kann es bei Verletzungen des Personals zur Besiedlung der Wunden mit den MRSA Keimen kommen. Tiefergehenende Haut-Weichteilinfektionen sind keine Seltenheit. Der anteilige Nachweis für MRSA CC398 als Ursache von Infektionen außerhalb von Krankenhäusern lag für die Jahre 2007-2011bei 17 Prozent. Der Anteil an LA_MRSA Infektionen nimmt deutschlandweit signifikant zu, wie Untersuchungen im EUREGIO MRSA-net im münsterländischen Raum gezeigt haben. Die Untersuchungsergebnisse zeigen, so Dr. Christiane Cuny, dass ein prästationäres Aufnahmescreening für MRSA erforderlich ist. Nur so lässt sich das weitere Einbringen der MRSA-Keime in Krankenhäuser verhindern.

 Im präklinischen Bereich haben die Mitarbeiter der Rettungsdienste vermehrt Kontakt zu Infektionskranken. Infektionen durch Influenza A Viren, neu auftretende Krankheitserreger, SARS-Corona usw. müssen aktuell bewertet werden. Hinzu kommen die als potenzielle biologische Agenzien betrachtete Krankheitserreger. Unspezifische Syndrome erschweren eine frühzeitige Erkennung einer biologischen Gefahrenlage, so Dieter Oberndörfer von der Branddirektion Frankfurt a.M.

Massiv kritisierte Prof. Dr. Walter Popp vom Universitätsklinikum Essen, Abtlg. Krankenhaushygiene, den Einsatz von Reinigungskräften in den Kliniken. Die Reinigung wird vielfach von 400 Euro Kräften von externen Dienstleistern vorgenommen. Sie stellen ein Problem dar, weil das Interesse der Reinigungskräfte an der Hygiene nicht so ausgeprägt ist, wie bei hauseigenen Mitarbeitern. Die Qualität der Reinigung in den Kliniken muss erhöht werden, fordert Popp.

Die Leiterin des Kongresses, Professor Dr. Heike von Baum, Universität Ulm, wies darauf hin, dass auch im Haushalt durch eine Wasserhygiene Krankheiten verhindert werden können. Das Wasser in den Leitungen sollte über 55 Grad heiß sein. Das Wasser aus der Kaltwassserleitung unter 20 Grad. Nur so lässt sich eine Keimbesiedelung der Wasserleitungen signifikant reduzieren.

Jürgen Bause

 

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