Mehr Patientenzufriedenheit durch individuelle Endoprothetik

Prof. Dr. Grifka mit einem Gastvortrag beim Medizinstammtisch in München

München. Jährlich werden in Deutschland etwa 450.000 Endoprothesen implantiert. Überwiegend sind es Hüftprothesen und künstliche Kniegelenke. Aber auch Schultergelenke und Sprung- und Ellenbogenprothesen. Etwa 3 Millionen Deutsche haben in den vergangenen zehn Jahren ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk erhalten.
Vielfach müssen nach der Erstimplantation die Prothesen erneut operiert werden, so Professor Dr. med., Dr. hc. Joachim Grifka, von der Orthopädischen Klinik der Universität Regensburg in Bad Abbach.

Portrait Prof. Dr. Dr. h. c. Grifka 16.07.2014                                                               Prof. Grifka

Damit Nachoperationen reduziert, oder vermieden werden können, wurden in der Orthopädischen Klinik neue Operationsmethoden entwickelt. So ließen sich erneute Eingriffe um mehr als zwei Drittel reduzieren.
Eine deutschlandweite Bedeutung erlangte Prof. Dr. Tobias Renkawitz von der Klinik mit seinem Team für eine einen besonders muskelschonenden Zugangsweg mit einer exakten und individuellen Anpassung der künstlichen Gelenkkomponenten macht dem „Schlüssel-Loch-Prinzip“. Vergleichbar mit dem exakten ineinanderpassen eines Sicherheitsschlüssels in einem Sicherheitsschloss bilden dabei alle Teile des künstlichen Hüftgelenks eine biomechanisch-dreidimensional optimierte Einheit. Der Leiter der Sektion „Patientenindividuelle Endoprothetik“ und sein Team erhielten im Oktober 2014 den mit 50.000 Euro dotierten Oskar-Medizinpreis verliehen.

Navigationssystem für Hüftendoprothetik

Vor der Implantation eines künstlichen Hüftgelenks sind der Ausgleich von präoperativ bestehenden Beinlängendifferenzen und die Rekonstruktion der patientenindividuellen Biomechanik unabdingbar. Für den Hüftchirurgen gilt es also intraoperativ eine optimale Ausrichtung der Hüftpfanne und des Schaftes zu erreichen. Seit vielen Jahren wird dazu ein computergestütztes Navigationsverfahren während der Operation verwendet. Einer Arbeitsgruppe der Orthopädischen Klinik Bad Abbach ist es gelungen, ein nicht-invasives („pinless“) Navigationssystem für die computer-assistierte Hüftendoprothetik zu entwickeln. Bei dieser Methode müssen keine Drähte im Oberschenkel fixiert werden. Die Präzision der pinless Navigation liegt mit Abweichungen von unter einem Millimeter in einem Genauigkeitsbereich, der mit mechanischen Meßmethoden und/oder dem Augenmaß des Chirurgen nicht erreicht werden kann.

Knieendoptrothetik

Patientenindividuell produzierte Knieendoprothetik
Patientenindividuell produzierte Knieendoprothetik

 

Gegenüber der traditionellen Standardprothetik die in zahlreichen Kliniken Anwendung findet, geht man in Bad Abbach andere Wege, denn jedes Kniegelenk ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck eines Menschen. Die zu verwendeten Implantate werden präoperativ den individuellen anatomischen Gegebenheiten des Patienten angepasst. Die Firma ConforMIS Europe GmbH passt teilweise oder vollständig die zu verwendenden Implantate mit der individuellen Größe und Form jedes einzelnen Kniegelenkersatzes an. Das Implantat sitzt präzise und entspricht der natürlichen und individuellen Form des Patientenknochens. Es bietet ein natürlicheres Gefühl. Die Implantate werden mit einer iFit Image-to-Implant Technologie der Firma ConforMIS hergestellt. Die Implantate werden der patientenindividuellen Anatomie entsprechend entworfen und maßgefertigt. Hierzu werden Algorithmen verwendet, um aus den CT-Daten ein 3D Modell zu erstellen, womit die Gelenkoberflächen der der erkrankte Bereich exakt dargestellt wird. Anhand dieses 3D-Modells werden anschließend sowohl die Implantate als auch das Instrumentarium für den Eingriff patientenindividuell entworfen und hergestellt. Die Vorteile sind signifikant:

Durch die patientenindividuelle Anpassung reduziert sich das Risiko postoperativer Schmerzen.

Es werden postoperativ bessere funktionale Ergebnisse erzielt.

Bei optimaler Erhaltung des Patientenknochens ist der Blutverlust gering.

Die maßgefertigten Implantate werden bedarfsorientiert in sterilen Einweg-Verpackungen geliefert. Dadurch bleibt den Kliniken die Einlagerung verschiedener Implantate von unterschiedlichen Anbietern erspart. Das vorsterilisierte Einmal-Instrumentarium verringert darüber hinaus das potentielle Infektionsrisiko.

Jürgen Bause

Quellen:
Prof. Dr. med. Joachim Grifka; 156 Gesprächsrunde der Münchner Medizinjournalisten  11. November 2014;
Jahresbericht 2014 der Orthopädischen Klinik Bad Abbach.
http://www.Operation-Endoprothetik.de

Jürgen Bause

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