Pharma-Zukunft ist besser, weil anders

Biberach, 20. Juli 2016. „Heute ist die Rolle des Außendienstes ziemlich klar. Entsprechend des Besuchsplans besucht er den Arzt, liefert seine Nachricht ab und berichtet Vollzug. Danach geht er zum nächsten Arzt und wiederholt es.“ So beschreibt den Pharma-Außendienst Robert Chu von IMS. Einer, der es wissen sollte.

Wenn dies wirklich so ist, sind Zukunftssorgen mehr als berechtigt. Der Satz belegt, dass sich in den letzten 30 Jahren in den Unternehmen nur wenig verändert haben kann. Dabei steigt der Veränderungsdruck von außen weiter. Veränderung hat intern aber zu wenig Bedeutung, denn die Gewinne der Pharmaindustrie sind auf einem mehr als auskömmlichen Niveau.

Ernst & Young hat im Juni 2016 berichtet, dass die TopTen der Pharmabranche insgesamt auf eine EBIT-Marge von gut 26 % kommen. Die großen Biotech-Unternehmen erreichen allesamt mehr als 40 %. Im direkten Vergleich erreichen Automobilzulieferer 2015 global eine Rekordmarge von gerade einmal 7,6%. Der Vergleich von drei deutschen Pharmaunternehmen zeigt auf, warum es operativ wenig Grund zur Änderung zu geben scheint. Generikahersteller können davon wahrscheinlich nur noch träumen, denn die Rabattverträge haben in den letzten Jahren ihren Tribut gefordert. Nachdem die Bundesregierung mitgeteilt hat, dass die Einsparungen aktuell mehr als 3,6 Milliarden € betragen, ist dies eine Summe, die nicht mehr als Gewinn, sondern als Rabatt verbucht werden muss.

03 EBIT vs Auto

Wahrscheinlich lässt es sich mit weniger als 40% Profit ebenfalls gut leben. Selbst geringe Margen müssen aber abgesichert werden, denn Pharmaunternehmen sägen mit Rabatten weiter an ihrem eigenen Rendite-Ast.

Bei den weitaus meisten Arzneimitteln gilt inzwischen freie Austauschbarkeit. Vor etwa 10 Jahren ist die Pharmaindustrie dem Gesetzgeber auf den Leim der vertraglichen Beziehungen zwischen Krankenkassen und Arzneimittelherstellern gegangen. Seitdem dreht sich die Rabattspirale, Margen und Anzahl der Pharmaunternehmen werden nach dem Motto kleiner: „Wenn man sich nicht unterscheidet, sollte man mindestens billig sein.“ Bei näherem Hinsehen erscheint es doch an der Zeit, dem Verfall von Preisen und Margen etwas entgegen zu setzen. Einen aktiven Beitrag für Leistungserbringer und die bessere Versorgung von Patienten zu leisten, ist sicher zukunftsträchtiger, als nur Tablettenschachteln zu verkaufen. Das Gesundheitssystem braucht dringend das Wissen, die Fähigkeiten und Ressourcen der Pharmaindustrie.

Von den HealthcareShapers und mit InteractiveMedica als Sponsor, wurde das Pharma-Colloquium als Katalysator neuer Geschäftsmodelle konzipiert. Entscheider und Gestalter sind eingeladen, in der DenkWerkstatt mit zu überlegen, wie Fähigkeiten und umfassendes Wissen von Pharmaunternehmen für eine bessere Patientenversorgung eingesetzt und daraus zukunftsrobuste Geschäftsmodelle begründet werden können.

Am 27. / 28. Oktober treffen sich Entscheider und Gestalter aus Pharma-Unternehmen zum ersten Pharma-Colloquium. In dieser gemeinsamen Denk-Werkstatt soll überlegt werden, wie die weitreichenden Fähigkeiten, das umfassende Wissen und die vorhandenen Ressourcen von Arzneimittelherstellern für eine bessere Patientenversorgung eingesetzt werden können.

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