Untersuchung zeigt: Jede zweite Pflegekraft erleidet eine Nadelstichverletzung

(ags)Pflegepersonal erleiden weit häufiger Nadelstichverletzungen als bisher angenommen. Zudem fehlt es teilweise an notwendigem Wissen über die Prävention dieser Verletzungen. Das zeigen Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage, die die B. Braun-Stiftung jetzt gemeinsam mit dem Arbeitsschutz der Universität Frankfurt veröffentlicht hat. Von den teilnehmenden Pflegekräften gaben mehr als die Hälfte an, bereits eine Nadelstichverletzung gehabt zu haben.

Nur 50 Prozent der Betroffenen haben ihre Verletzung beim Durchgangsarzt aber auch gemeldet. Die angegebenen Gründe dafür waren überwiegend subjektiver Natur und reichten von „keine Zeit“ bis hin zu „Bagatelle“ oder „der Patient schien nicht infektiös zu sein“. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Pflegenden die Gefahren, die aus einer HIV und Hepatitis-Infektion resultieren als relevant erkannten. Erfreulicherweise waren über 90 Prozent der Teilnehmer gegen Hepatitis B geimpft, allerdings kannte nur jeder Dritte seinen Anti-HBs-Titer und wusste damit, wie gut er tatsächlich geschützt war. Insgesamt fühlten sie die Befragten nicht genügend geschult. Besonders Berufsanfänger zeigten deutliche Wissenslücken und fielen häufiger auf eine Fangfrage nach einer Hepatitis C Impfung rein. Professor Michael Ungethüm, Vorstandsvorsitzender der B. Braun-Stiftung, appellierte zur Eröffnung der Veranstaltung an die Eigenverantwortung: „Machen Sie sich mit dem Arbeitsschutz vertraut und überprüfen Sie Ihren Impfstatus. Es geht um Sie und Ihre Patienten“.

Die Ergebnisse der Umfrage wurden am 7. Oktober 2016 erstmalig anlässlich der Veranstaltung „Fortbildung für Pflegende“ in Kassel präsentiert. Befragt wurden Pflegekräfte, die bereits im letzten Jahr an der Veranstaltung teilgenommen hatten.

Die Hälfte aller Nadelstichverletzungen werden nach wie vor verschwiegen

Insgesamt kommen jedes Jahr ca. 1400 Pflegende zu der „Fortbildung für Pflegende“: An der Studie zu Nadelstichverletzungen tatsächlich teilgenommen haben 261 Pflegende. Der größte Teil der Teilnehmer (67,4 Prozent) war über 10 Jahre berufstätig. 50 Prozent waren examinierte Pflegekräfte und weitere 30 Prozent wiesen eine Fachweiterbildung oder ein Studium aus während nur 20 Prozent angaben, noch in Ausbildung zu sein.

Die B. Braun-Stiftung fördert medizinische und pflegerische Forschung. „Die Größe der Veranstaltung und die Teilnahme einer Berufsgruppe lässt repräsentative Ergebnisse zu“, erklärte Geschäftsführer Professor Alexander Schachtrupp. Gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Pflegeforschung (DIP) wird deshalb in diesem Jahr eine Befragung zum Thema Gewalt in der Pflege ausgewertet.

Die Vermeidung von Nadelstichverletzungen gehört zu den Pflichten von Arbeitgebern in medizinischen Einrichtungen. Gemäß öffentlichen Angaben liegen die Verletzungsraten pro Jahr in Deutschland bei 500.000 Fällen. „Auch wenn die gemeldeten Fälle von Hepatitis-B und Hepatitis-C in den Betrieben rückläufig sind, so zeigt diese Studie, dass nicht nachgelassen werden darf und immer weiter, gerade bei jüngeren Kollegen Aufklärungsarbeit und Schutzmaßnahmen, wie z. B. sichere Instrumente, angeregt werden müssen“, erklärte Schachtrupp.

Jürgen Bause

Quelle: Pressemitteilung B. Braun AG

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