Ist das Sterben der Apotheken vorprogrammiert?

Neuorientierung der Apotheker zwingend notwendig

Land auf und Land ab beklagen Apotheker, dass es um ihre wirtschaftliche Situation schlecht gestellt sei. Versandapotheken nehmen Umsätze und Gewinne weg, das EUGH genehmigt den Versand von verschreibungspflichtigen Medikamenten aus dem Ausland nach Deutschland und einige Drogerieketten verkaufen vermehrt verschreibungsfreie Medikamente, die bislang nur über den Apothekentresen an die Patienten abgegeben wurden. Zu dem sich wandelnden Geschäftsmodell der Apotheken befragte ich den Pharmavertriebsexperten Hanno Wolfram zu deren Situation in Deutschland.

Jürgen Bause: Wie sehen Sie die Situation der niedergelassenen Apotheken in Deutschland nach dem Urteil des europäischen Gerichtshofs zur Rabattgewährung für verschreibungspflichtige Arzneimittel?

 

Wolfram: Zunächst bin ich sicher, dass es „die Apotheke“ bereits schon lange nicht mehr gibt. Es gibt einige Apotheken, die unternehmerisch geführt werden und im Grundsatz wie ein Gesundheits-Discounter aufgestellt sind. Eine deutlich größere Zahl von Apotheken sind inhabergeführt, versorgen einen bestimmten Sprengel in einer Gemeinde oder Stadt und haben einen großen Teil regelmäßiger Kunden.

Frage: Was ist für Sie der größte Unterschied zwischen diesen beiden Kategorien?

Wolfram: Bei den Apotheken, die sich selbst als Gesundheitsdiscounter darstellen, regelmäßig mit Sonderangeboten Kunden in ihre Verkaufsräume locken, kann ich nur noch eine geringe Tendenz zum traditionellen Heilberuf des Apothekers erkennen.

Die Inhaber geführten Apotheken, die ihre Patienten kennen, deren Kunden regelmäßig kommen und um Hilfe, Aufklärung oder Unterstützung bitten, sind aus meiner Sicht diejenigen, die am besten mit dem Bild der „Tante-Emma-Apotheke“ umschrieben sind. Häufig sind dies auch soziale Treffpunkte, wo Viele sich ungezwungen und geschützt über ihre gesundheitlichen Probleme austauschen und Rat bei dem Apotheker finden, der sie kennt und dem sie vertrauen.apotheken

Frage: Was bedeutet nun die Rechtsprechung zum Rabatt des EuGH für die beiden Apothekentypen?

Wolfram: Apotheken, mit dem Auftreten eines Gesundheitsdiscounters haben damit sicher kein Problem. Ich denke, dort werden wie in allen anderen Unternehmen auch, bereits Strategien für den Tag entwickelt, wenn aus der Arzneimittelpreis-Verordnung eine Höchstpreisverordnung wird. In diesen Apotheken gibt es Vorstellungen, wie viel Mehrumsatz durch die Rabattgewährung generiert werden kann und wie hoch deswegen der Rabatt pro Rezeptzeile sein kann, ohne die Gesamtmarge zu gefährden.

 

 

 

Die inhabergeführte Apotheke muss sich eher keine Sorgen machen, dass Umsatz und Gewinn sich durch einen Arzneimittelhöchstpreis weiter reduzieren. Sie wird nur sehr wenige Kunden haben, die ihr den Rücken kehren. All die Stammkunden, die in der Nachbarschaft wohnen, meist älter und damit chronisch erkrankt sind, werden ihr treu bleiben. Sobald aber, ein Apotheker beginnt, mit seiner Tante-Emma-Apotheke in eine Rabattschlacht einzusteigen, wird ihn das gleiche Schicksal ereilen wie den Tante-Emma-Lebensmittelläden: Sie sind allesamt verschwunden.

Frage: Wie begründen Sie Ihre Einschätzung, dass die inhabergeführte Apotheke nicht unter den Rabatten leiden wird?

Wolfram: Aus meiner Sicht ist die Welt der Apotheke wesentlich heterogener, als sie gemeinhin dargestellt wird. Denken Sie an die Versorgung von Patienten in kleineren Ortschaften, mit einigen Hausärzten und nur wenigen Fachärzten. Ebenso beachten müssen wir, dass Apothekenkunden im wesentlichen die Älteren sind. Die Zusammenarbeit zwischen diesen Hausapotheken und den meist geographisch zugeordneten Hausärzten, ist in aller Regel positiv und unterstützend. So kann diese Apotheke als besonders niederschwelliger Zugang in das Gesundheitswesen gesehen werden. Sehr oft wird hier der Rat erteilt: „Wenn ich Sie wäre, würde ich jetzt mal zu meinem Hausarzt gehen.“ Diese Apotheker sind in aller Regel Heilberufler, haben ein entsprechendes Selbstverständnis und kennen die Geschichten und Geschichtchen ihrer Patienten. Gleichermaßen gilt dies für deren Mitarbeiterinnen, bei denen sich die Patienten aus der Nachbarschaft regelmäßig gut aufgehoben fühlen. Das „sich aufgehoben fühlen“ und „solche Einkaufserlebnisse“ sind in aller Regel weder von einer Versandapotheke noch von einem Gesundheitsdiscounter zu leisten.

Frage: Wie sehen Sie dann die Arbeit der verschiedenen Apothekenverbände?

Wolfram: wie bei den Pharma-Unternehmen auch, sollten die Apotheker beginnen, ihre Verbandsstrukturen so zu verändern und ggf. neue Verbände zu gründen, die den Kategorisierungen entsprechen. Es ist aus meiner Sicht praktisch nicht möglich, dass ein Apothekenverband Apothekendiscounter mit Umsätzen im zweistelligen Millionenbereich und den Tante-Emma-Apotheker um die Ecke gleichzeitig und sachgerecht vertreten kann. Die Interessenslage und das Geschäftsmodell der beiden erscheinen viel zu divergent zu sein.

Frage: Sie sagen, die Mehrheit der Apotheken gehöre in die Kategorie der inhabergeführten Apotheke. Was würden Sie diesen Apothekern für die nähere Zukunft raten?

Wolfram: Betriebswirtschaftlich geht es um die Klärung der strategischen Ausrichtung der jeweiligen Apotheke. Bezugnehmend auf die angedeutete Kategorisierung muss es für den Tante-Emma-Apotheker darum gehen, sich unbedingt so aufzustellen, dass er als Heilberufler wahrgenommen wird. Dabei kann es nicht nur darum gehen, die Beratung bei der Arzneimittelabgabe „entsprechend den Anforderungen der Stiftung Warentest“ zu überstehen, sondern es muss um Zwischenmenschlichkeit, Fürsorge, Kenntnisse des Quartiers und der persönlichen Lebenssituation eines Kunden oder Patienten gehen. In diesen Apotheken ist „Kümmern“ angesagt. Jedwede Rabatt Aktion, schreiende Schaufensterwerbung, zum Kaufen drängende Aufsteller und Sonderangebote können in einem solchen Fall kontraproduktiv sein. Menschliche Wärme, ein wenig Gemütlichkeit und vielleicht sogar ein Bistrotisch wo sich die Patienten beim Warten unterhalten können, sind aus meiner Sicht Beispiele differenzierender und werthaltiger Merkmale für eine prosperierende Zukunft.

Frage: Wie denken sie wird die Apotheke in der Politik wahrgenommen?

Wolfram: Wir müssen konstatieren, dass bei der letzten Gesetzgebung zum Medikationsplan die „Apotheke“ nicht stattgefunden hat. Daraus kann man ableiten, dass aktuell Apotheker in der Politik mehr der Spezies „Kaufmann“ zugeordnet werden. Derjenige, der ein mehrheitlich oder ausschließlich betriebswirtschaftliches Interesse an Arzneimitteln hat, wird auch in Zukunft kein Ziel der Politik sein. Analog dazu gibt es keine Gesetzgebung, die andere Discounter vor Konkurrenz und Wettbewerb schützt oder vor anderen bevorzugt.

Sobald allerdings Apotheker als Heilberufler in Politik und Öffentlichkeit wahrgenommen werden, entsprechende Aufgaben glaubwürdig übernehmen und gemeinsam mit den Ärzten an einem verbesserten Outcome für Patienten arbeiten, kann ich mir gut vorstellen, dass die politische Akzeptanz für spezifische und honorierte Versorgungsaufgaben für Apotheken deutlich wachsen wird. Wenn wir über unsere Landesgrenzen hinausschauen, sehen wir, dass Apotheker bereits impfen, Rezepte für Chroniker verlängern und für ihre Patienten viele segensreiche Hilfestellungen leisten. Solche Leistungen sind dort mit Honoraren ausgestattet(sic!).

Frage: Was wäre ihr zentraler Vorschlag zur Verbesserung der aktuellen Situation der Apotheken?

Wolfram: Es wird in Zukunft nicht mehr sinnvoll sein, in Politik, Öffentlichkeit oder Medien von „den Apotheken“ zu sprechen. Die Unterschiede zwischen Versandapotheken, den Apothekendiscountern und den sog. Tante-Emma-Apotheken sind evident. Lange ist es überfällig, dass sich diese Gruppen auch entsprechend positionieren und durch ihre Verbände und Organe differenziert Stellung nehmen und vertreten lassen. Die Versandapotheken haben es vorgemacht.

Einen Obersten Gerichtshof nach getaner Tat zu schelten, bzw. der Versuch zu retten, was zu retten ist, erscheinen kurzsichtig. Ob das knappe Votum des Bundesrats zum Verbot des Versandhandels dabei zum „Muster ohne Wert“ verkommt, werden die kommenden Wahlkampfmonate zeigen.

Die ökologische Nische für den Apotheker mit seiner eigenen Apotheke ist mehr als ausreichend groß und bei entsprechender Positionierung wird sie ertragreich bleiben. Es bedarf dazu intensiven Nachdenkens und ein wenig sachgerechter, betriebswirtschaftlicher Beratung. Pharma-Unternehmen, die selbst nur in Rabatten denken, erscheinen dabei als Berater denkbar ungeeignet.

Apothekendiscounter wird es in Zukunft dort geben, wo es um Laufkundschaft, hohe Kundenfrequenz und einen möglichst hohen Umsatz pro Beratungsminute oder Regalmeter geht. Der Preiswettbewerb ist der Kern dieses Geschäfts. Hier wird, wie in anderen Märkten, der Einkauf die Quelle der Gewinne sein. Qualitätswettbewerb, wie im Lebensmitteleinzelhandel, kann es im Apothekensortiment praktisch nicht geben. Die einschlägige Industrie wird hier Rabatte liefern müssen, demnächst vielleicht auch bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln.

Der Verzicht auf Fürsorge für den Patienten oder Kunden birgt immer das gleiche Risiko: Woanders gibt es noch mehr Rabatte, ein noch besser sortiertes Lager oder die noch nettere oder schnellere Bedienung. Da sind loyale Stammkunden eher schwer zu gewinnen und fast unmöglich, sie über Jahre als solche zu behalten.

Wenn es tatsächlich zur Höchstpreisverordnung kommt, müssen und werden die meisten Patienten verstehen, dass die Leistungen eines Heilberuflers, bei dem sie sich wohl-, aufgehoben und verstanden fühlen, mit x% Rabatt, SALE oder auch einfach „billiger“, inkompatibel sind. Apothekern die Heilberufler sind und sich auch als solche verstehen, darf deswegen manches betriebswirtschaftliche Wissen fehlen, wenn es durch menschliche Wärme ersetzt wird.

Jürgen Bause: Vielen Dank, Herr Wolfram, für dieses Interview.

 

Jürgen Bause                                                                                                     Hanno Wolfram Medizinjournalist                                                                                             www.innov8.de

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Studie: Qualifikation des Pflegepersonals beeinflusst Sterblichkeit von Klinikpatienten

Die Behandlung in einem Krankenhaus mit einem hohen Anteil von minder qualifizierten Pflegekräften geht mit einem erhöhten Sterberisiko der Patienten einher. Zu diesem Ergebnis kommt eine Querschnittstudie in BMJ Quality & Safety(2016; doi: 10.1136/bmjqs-2016-005567). Ein Grund könnte die Zunahme von Pflegefehlern sein, so das Deutsche Ärzteblatt auf der Onlinemitteilung vom 17. 11.2016.

Der finanzielle Druck, Reformen im Gesundheitswesen und die Personalknappheit veranlassen viele Krankenhäuser, ihren „nurse skill mix“ zu überdenken. Die Besetzung von offenen Stellen mit Pflegehelfern statt mit examinierten Pflegekräften erscheint hier ein effizienter Weg, um Kosten einzusparen. Pflegehelfer müssen nicht eine mehrjährige Ausbildung durchlaufen, sie können in einem „on-the-job“-Training auf ihre Tätigkeit auf Station vorbereitet werden. In Spanien beträgt der Anteil der Pflegekräfte ohne Ausbil­dung 46 Prozent, in England sind es 43 Prozent, in Deutschland dagegen nur 18 Pro­zent.

Eine Gefahr besteht darin, dass angelernte Hilfskräfte häufiger Fehler machen. Dies kann dazu führen, dass die Patienten Druckgeschwüre oder Harnwegsinfektionen entwickeln oder sich schwere Stürze zuziehen, was ihre Prognose verschlechtern könnte. Die RN4CAST-Studie (für„Registered Nurse Forecasting“) hat hierzu eine Umfrage in sechs Ländern (Belgien, England, Finnland, Irland, Spanien und Schweiz) durchgeführt. An 243 Kliniken wurden 13.077 Pflegekräfte und an 182 auch 18.828 Patienten nach ihrer Zufriedenheit befragt. Für 188 Kliniken standen zudem die Entlassungsdaten einschließlich der Todesfälle zur Verfügung.

Die Auswertung von Linda Aiken von der University of Pennsylvania School of Nursingund Mitarbeitern zeigt, dass mit dem Anteil des Hilfspersonals an der Pflege nicht nur die Frustration des Personals (bis zum Burn-out) und die Unzufriedenheit der Patienten steigt. Es bestand auch eine Korrelation zum Sterberisiko der Patienten.

Jede Verbesserung des „nurse skill mix“ um zehn Prozent (im Anteil der examinierten Personen am Gesamtpflepersonal) ging mit einem Rückgang der Mortalität um elf Prozent einher, schreibt Aiken. Die Odds Ratio (OR) von 0,89 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,80–0,98 signifikant. Gleichzeitig nahm der Anteil der Patienten, die die Pflegequalität in der Klinik als schlecht beurteilten um zehn Prozent ab (OR 0,90; 0,81–0,99). Auch das Pflegepersonal klagte seltener über eine schlechte Qualität (OR 0,89; 0,80–0,98) und berichtete seltener über Druckgeschwüre (Odds Ratio 0,85; 0,73–0,98), Stürze mit Verletzungen (OR 0,80; 0,71–0,91) oder Harnwegsinfektionen (OR 0,88; 0,78–1,00). Die Krankenschwestern und -pfleger klagten seltener über eine Unzufriedenheit im Beruf (OR 0,91; 0,83–0,99) oder einen Burn-out (OR 0,89; 0,80–1,00).

Donnerstag, 17. November 2016

Bildgebende Verfahren in der Medizin werden durch SIPAL signifikant verbessert

 

Bildgebende radiometrische Verfahren werden in der Medizin eingesetzt, um die Struktur und die Funktion von Gewebe und Organen in menschlichen (oder tiereschen) Körpern darzustellen. Diese Verfahren reichen vom „konventionellen“ Röntgen, auf dessen Basis auch das Computertomographie-Verfahren (CT) basiert, über die digitale Mammographie, bis hin zur Magnetresonanztomografie (MRT) sowie Nuklearmedizin.

Allerdings können auch die besten radiologischen Systeme selbst unter optimalen Bedingungen nicht vollständig Unschärfe und/oder Inhomogenität der dargestellten Bilder vermeiden. Vor diesem Hintergrund ermöglicht die Wiedergewinnung der Bildschärfe innerhalb dieser Systeme signifikante Verbesserungen der medizinischen Diagnostik, der rechnergestützten Tumorfrüherkennung sowie der Therapie-Verlaufskontrolle.

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MRT einer Hirnmetastase eines BronchialCA. Mit Vergrößerung von Varvon_101, verwendet unter CC BY-SA2.0 Wiedergewinnung der Schärfte

 

 

Hierfür bietet SIPAL einzigartige Algorithmen, mit denen digitale Bilder von besserer Qualität (Schärfe, Homogenität) geliefert werden, unabhängig davon, mit welchem Verfahren bzw. in welcher Dynamikskala die Bilder hergestellt werden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Verfahren wird dabei eine maßgeblich bessere Schärfequalität erreicht ohne Artefakte im Bild zu erzeugen. Außerdem verursachen die SIPAL-Algorithmen keine Verschiebung der Objektgrenzen bzw. andere Objektverfälschungen in dem zu untersuchenden Bild, was eine hohe Präzision und Sicherheit der entsprechenden Behandlung sicherstellt. Darüber hinaus gewährleisten die SIPAL-Algorithmen eine mehrmalige Vergrößerungsfunktion (z.B. 10x) ohne Qualitätsverlust. Der Vergrößerungsfaktor wird dabei nur von der Bildauflösung begrenzt.

 

Die Anwendung der SIPAL-Software in der Kieferchirurgie erlaubt es, sowohl Zahnwurzeln als auch Knochen in ihrem jeweiligen Verlauf detailliert darzustellen. Auf diese Wiese kann eine wesentlich effektivere und sicherere Behandlung von Zahnwurzeln gewährleistet werden (Abb. 1).

 

Auch bei der Magnetresonanztomografie (MRT) kann der zeitliche und apparative Aufwand mit Hilfe der SIPAL-Software maßgeblich optimiert werden. Die erzielte Wiedergewinnung der Schärfe der gewonnen MR-Bilder kann – in Kombination mit einer mehrmaligen Vergrößerung (Abb. 2) – die Anzahl der Wiederholungsaufnahmen reduzieren und somit zur Senkung der Kosten eines Klinikums und größeren Zufriedenheit der Patienten führen.

Die SIPAL-Algorithmen können bei jeder Art der bildgebenden radiologischen Untersuchungen eigesetzt werden. Dabei können sie sowohl als eigenständige Software benutzt als auch problemlos in jede bestehende Software integriert werden.

Firma Sipal
Dr. Ing Roman Louban
Hüttenfeldstrasse 16
74564 Crailsheim
Telefon 49 (0)15902403356
http://www.sipal-online.de

Neue Pflegeausbildung ist der Ruin

Auszubildende, Träger, Berufsverbände, Schulen und Leitungskräfte der Wohlfahrt sind mit absoluter Mehrheit gegen die generalistische Pflegeausbildung

Die Diskussionen um das Pflegeberufereformgesetz reißen nicht ab. Die Befürworter schwinden, und auf allen Ebenen gibt es breiten Widerstand. So kam eine repräsentative Umfrage einer Pflegefachzeitschrift zu dem Ergebnis, dass 79 Prozent der Leitungskräfte von Pflegeeinrichtungen der Wohlfahrt und 88 Prozent der privaten Träger gegen die Generalistik sind. Nun versuchen die Befürworter der Generalistik massiv Druck auf die Bundestagsabgeordneten auszuüben, die zu Recht die Zusammenlegung der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege ablehnen

Dabei scheuen sie sich nach Ansicht des Bündnisses für Altenpflege nicht einmal, offenkundig falsche Zahlen zu verbreiten. „Es wird behauptet, dass bereits jetzt 90 Prozent der Inhalte der drei Ausbildungen gleich wären. Das ist schlicht und ergreifend falsch. Wenn dem so wäre, wäre die Generalistik längst umgesetzt. Jedoch lässt sich an diesen Angaben ablesen, wie die inhaltliche Ausrichtung der neuen Ausbildung gestaltet sein würde: maximal 10 Prozent spezifisches Wissen und Können für die Kinderkrankenpflege und die Altenpflege. Das macht deutlich, dass diese beiden Bereiche die großen Verlierer der Reform sein werden“, erläutert Bündnis-Sprecher Peter Dürrmann laut einer Presseinformation vom Bündnis für Altenpflege vom 9. November.

Birgit Hoppe, als Vorsitzende des Arbeitskreises Ausbildungsstätten Altenpflege (AAA) Mitglied des Bündnisses für Altenpflege, weiß aus der Praxis und der Gefühlslage der angehenden Altenpflegerinnen und -pfleger zu berichten: „Neulich sagte mir ein Auszubildender mit Blick auf die gut ausgelasteten Jahrgänge, bei Einführung der Generalistik würde bald nur noch die Hälfte der Leute hier sitzen. Die Gründe? Man entscheide sich bewusst für diesen und keinen anderen Beruf. Und in der neuen Ausbildung fiele auch die berufsbegleitende Ausbildung weg, die für viele der einzig gangbare Weg ist.“

Auch die Auszubildenden Hilda Künzer und Jessica Göhler bestätigen, dass in ihrem Jahrgang die überwiegende Mehrheit gegen die Generalistik ist: „Mit der Abschaffung der Altenpflegeausbildung verschwindet ein großer Teil der Ausbildungsinhalte und altersspezifischer Themen“, prognostiziert Jessica Göhler, während Hilda Künzer hinzufügt: „Ich bin gegen die Abschaffung der Altenpflegeausbildung, weil Altenpflege auch Empathie braucht und diese in einer generalistischen Ausbildung zu kurz kommt.“

Jürgen Bause

Medienrecht in der Praxis – eine Buchbesprechung

Eigentlich müssten sich Verantwortliche von Unternehmen beim Texten von Inhalten für das Internet oder für Werbeunterlagen über die rechtlichen Aspekte vorab informieren.

Das dies nicht geschieht, kann man beim surfen durch das WWW immer wieder feststellen. Da findet man Kopien von Presseartikel der Firma aus der Tagespresse, ohne vorher die Genehmigung des Verlages einzuholen. Textdateien oder Grafiken werden ohne Einwilligung des Verfassers weiter verbreitet oder die Angaben im Impressum auf der Homepage eines Unternehmens sind fehlerhaft.

Ein großer Irrtum ist beispielsweise die Veröffentlichung eines Fotos mit mehreren Personen: Langläufig besteht bei breiten Bevölkerungsschichten die Auffassung, dass ab 5 Personen auf einem Bild keine gesonderte Einwilligung zur Veröffentlichung (und ggf. Verbreitung im Internet) bei den abgebildeten Personen eingeholt werden muss. Das tolle Foto von dem Ski Ausflug kann teuer werden. Bildnisse dürfen nur mit ausdrücklicher Einwilligung des Abgebildeten verbreitet werden.

medienrecht-in-der-praxis

Das Social Media Marketing wird in dem Buch ebenso berücksichtigt, wie das twittern von Angestellten im Auftrag ihres Unternehmens.

Damit im Marketing und PR rechtssichter gearbeitet werden kann und man bei Twitter, Facebook, WhatsApp und Co. nicht über juristische Fallstricke stolpert, sollte man sich mit dem Inhalt des Buches auseinandersetzen. Die Autorin ist eine auf IT- und Medienrecht spezialisierte Rechtsanwältin.

Das Buch „Medienrecht in der Praxis“ ist sehr verständlich geschrieben für jeden sehr zu empfehlen, der sich mit Marketing und Öffentlichkeitsarbeit befasst.

Alexandra Rogner: Medienrecht in der Praxis. 132 Seiten, zahlreiche Abbildungen. ISBN 978-3-8252-4547-4; UVK VerlagsGes. Preis 14,99 Euro

Jürgen Bause