Von der schönen Welt des Professor Brinkmann und Schwester Hildegard zu den harten Verhandlungen im Pharmageschäft

Experte für Rhetorik Dr. Ulrich Ulonska im Interview mit Jürgen Bause

Sie haben eines gemeinsam: Die Verbindung mit Menschen, die kommunizieren. Aber vielfach laufen Gespräche aneinander vorbei und so kann manches schief gehen, manches geht gut und vieles kann noch sehr viel besser laufen: Durch die Kommunikation auf einer Ebene.

Was ist Rhetorik überhaupt, Herr Ulonska?
Aristoteles schreibt dazu: „Nun tut die Mehrheit dies entweder planlos oder aus Gewohnheit. Und so kann man die Ursachen untersuchen, weshalb die einen den Erfolg durch Zufall erzielen, die anderen durch Gewohnheit“. Das ist die Aufgabe der Rhetorik. Die Rhetorik und ihre modernen Nachfolgewissenschaften leisten dafür seit über 2000 Jahren wichtige Beiträge für Reden, Vorträge, Präsentationen, Gespräche und Verhandlungen. Wer diese Dinge kennt und sicher anwenden kann, darf sich stark erhöhten Erfolgswahrscheinlichkeiten in Reden und Gesprächen sicher sein. Es werden bereits in der Antike drei Hauptziele benannt: Bewegen, erfreuen und belehren. Das sollten ein guter Vortrag und eine gute Präsentation leisten. Das gleiche gilt auch für Gespräche.

Wie sollte systematisch vorgegangen werden, damit ein Gespräch zum Erfolg führt?
Erstens die Auswahl der Inhalte, zweitens die psychologisch wichtige Reihenfolge in der die Inhalte präsentiert, vorgetragen oder im Gespräch gemeinsam entwickelt werden. Weiterhin die sprachlichen, stilistischen und psychologischen Wirkungsmittel. Viertens folgt die Gedächtnistechnik und als letzter Punkt der Auftritt in der Vortragssituation, beziehungsweise der Eintritt in das Gespräch. 80 Prozent der Wirkung wird hier durch Stimme, Sprechweise und eigene Körpersprache erzielt. Das wird sehr oft von den Vortragenden vergessen.

Am besten überzeugt man andere Gesprächsteilnehmer, wenn man ihnen zuhört – nur was und wie viel die anderen erzählen, das können gute Gesprächsleiter lenken und bestimmen. Gute Gesprächsleiter helfen durch eine geschickte Gesprächsführung, dass die anderen Teilnehmer selbst auf die „Lösung“ kommen.

 

Dr. Ulrich Ulosnka
Dr. Ulrich Ulonska

 

Welche Fehler werden am häufigsten gemacht?
In der Vortragssituation verlieben sich viele in Formulierungen und feilen zu lange an den Ausdrücken herum. Werden Texte formuliert, sollte ebenfalls nicht so viel über die das Ausfeilen nachgedacht werden. Wichtig: Rhetorische Fragen stellen, Ausrufe, die direkte Rede. Auch mal Aussagen wiederholen! Damit wird die Wirkung drastisch erhöht.
80 Prozent der Wirkung erreicht man durch die sprachliche Umsetzung. Hier sind kurze Sätze wichtig. Die Aussagen sollten auch sprecherisch durch fallende Kadenzen auf den Punkt gebracht werden.

Der Blickkontakt zu den Gesprächsteilnehmern sollte ständig vorhanden sein. Das aber nicht hektisch, sondern in sich ruhend.
Die Aufmerksamkeit bei den Gesprächsteilnehmern wird durch Pausen, Betonungen, dem Sprachtempo und dem Lautstärkewechsel gesteigert. Deshalb: „Wenn du andere überzeugen willst, muss ein Feuer in dir brennen.“
In Gesprächen kommen die rhetorischen und psychologischen Steuerungshebel der Dialogsteuerung hinzu.

Das Interview wurde anlässlich eines Rhetorik Seminars Oktober 2016 im Kloster Obermarchtal geführt.

2016-09-11-08-38-22
Tagungsstätte Kloster Obermarchtal bei Ulm

Dr. Ulrich Ulonska, Jahrgang 1956, studierte Germanistik, Sozial- und Sprechwissenschaft. Er promovierte in Rhetorik, Kommunikationswissenschaft, Sozialpsychologie und Psychologie der Politik an der Universität Göttingen. Dort war er über 15 Jahre Lehrbeauftragter.

Seit 1986 ist Herr Ulonska Rhetoriktrainer an Universitäten (D, A, CH), in öffentlichen Organisationen, in der Wirtschaft und in der Politik. Ulrich Ulonska zählt zu den bekanntesten Rhetorik Trainern im deutschsprachigen Raum.

Dr. Ulonska hat zahlreiche Beiträge zum Thema Rhetorik veröffentlicht. Er ist Autor der Bücher:

„Rhetorik“, Deutscher Sparkassen Verlag, Stuttgart 2003.

„Rhetorik für Führungskräfte“, 2. Auflage, Borsdorf 2013.

 

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