Körpersprache und Rhetorik

Buchbesprechung

 Reden, Ansprachen und das Leiten von Versammlungen soll die Gäste oder Zuhörer begeistern. Es kommt auf den Redner an. Auf den Auftritt, auf die Körpersprache, die Stimme und den Inhalt. Wer kennt nicht die langweiligen Reden und Vorträge? Vielfach geben sich die Vortragenden viel Mühe, kommen beim Publikum nicht an.

Wie werden erfolgreiche Gespräche und Vorträge richtig vorbereitet? Auf was kommt es an? Welche Kleinigkeiten sind für mein Gegenüber ausschlaggebend, damit ich richtig ankomme? Ob das Bewerbungsgespräch, die Teambesprechung oder der Vortrag: Der Redner präsentiert seine Persönlichkeit. Die Körpersprache, Kleidung, eigene Stimme und der Auftritt bilden das Ganze des persönlichen Ausdrucks. Die Autoren des Buches gehen in die Tiefe und beleuchten jeden Aspekt, der für einen guten Auftritt und für einen guten Redebeitrag erforderlich sind.

 

Vor dem Gespräch mit Verhandlungspartnern oder dem Auftritt bei einer Tagung. Es sind verschiedene Aspekte schon bei den Vorbereitungen zu berücksichtigen. Hier wird in dem Buch auf mögliche Fallen hingewiesen. Ich fand sehr positiv, dass der Leser wieder auf die notwendige Selbstreflextion aufmerksam gemacht wird. Aus den unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen der drei Autoren, wie Trainer, Schauspielerin, Theaterregisseur, Drehbuchautor usw. ist das Buch zu einem gelungenen Werk geworden.

Ich kann das Buch nur empfehlen.

Jürgen Bause

Bruno, Adamczyk, Bilinski: Körpersprache und Rhetorik,3. Auflage 2016, 320 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Hauffe Verlag Freiburg. Preis 19,95 Euro. ISBN 978-3-648-07679-7

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Von der schönen Welt des Professor Brinkmann und Schwester Hildegard zu den harten Verhandlungen im Pharmageschäft

Experte für Rhetorik Dr. Ulrich Ulonska im Interview mit Jürgen Bause

Sie haben eines gemeinsam: Die Verbindung mit Menschen, die kommunizieren. Aber vielfach laufen Gespräche aneinander vorbei und so kann manches schief gehen, manches geht gut und vieles kann noch sehr viel besser laufen: Durch die Kommunikation auf einer Ebene.

Was ist Rhetorik überhaupt, Herr Ulonska?
Aristoteles schreibt dazu: „Nun tut die Mehrheit dies entweder planlos oder aus Gewohnheit. Und so kann man die Ursachen untersuchen, weshalb die einen den Erfolg durch Zufall erzielen, die anderen durch Gewohnheit“. Das ist die Aufgabe der Rhetorik. Die Rhetorik und ihre modernen Nachfolgewissenschaften leisten dafür seit über 2000 Jahren wichtige Beiträge für Reden, Vorträge, Präsentationen, Gespräche und Verhandlungen. Wer diese Dinge kennt und sicher anwenden kann, darf sich stark erhöhten Erfolgswahrscheinlichkeiten in Reden und Gesprächen sicher sein. Es werden bereits in der Antike drei Hauptziele benannt: Bewegen, erfreuen und belehren. Das sollten ein guter Vortrag und eine gute Präsentation leisten. Das gleiche gilt auch für Gespräche.

Wie sollte systematisch vorgegangen werden, damit ein Gespräch zum Erfolg führt?
Erstens die Auswahl der Inhalte, zweitens die psychologisch wichtige Reihenfolge in der die Inhalte präsentiert, vorgetragen oder im Gespräch gemeinsam entwickelt werden. Weiterhin die sprachlichen, stilistischen und psychologischen Wirkungsmittel. Viertens folgt die Gedächtnistechnik und als letzter Punkt der Auftritt in der Vortragssituation, beziehungsweise der Eintritt in das Gespräch. 80 Prozent der Wirkung wird hier durch Stimme, Sprechweise und eigene Körpersprache erzielt. Das wird sehr oft von den Vortragenden vergessen.

Am besten überzeugt man andere Gesprächsteilnehmer, wenn man ihnen zuhört – nur was und wie viel die anderen erzählen, das können gute Gesprächsleiter lenken und bestimmen. Gute Gesprächsleiter helfen durch eine geschickte Gesprächsführung, dass die anderen Teilnehmer selbst auf die „Lösung“ kommen.

 

Dr. Ulrich Ulosnka
Dr. Ulrich Ulonska

 

Welche Fehler werden am häufigsten gemacht?
In der Vortragssituation verlieben sich viele in Formulierungen und feilen zu lange an den Ausdrücken herum. Werden Texte formuliert, sollte ebenfalls nicht so viel über die das Ausfeilen nachgedacht werden. Wichtig: Rhetorische Fragen stellen, Ausrufe, die direkte Rede. Auch mal Aussagen wiederholen! Damit wird die Wirkung drastisch erhöht.
80 Prozent der Wirkung erreicht man durch die sprachliche Umsetzung. Hier sind kurze Sätze wichtig. Die Aussagen sollten auch sprecherisch durch fallende Kadenzen auf den Punkt gebracht werden.

Der Blickkontakt zu den Gesprächsteilnehmern sollte ständig vorhanden sein. Das aber nicht hektisch, sondern in sich ruhend.
Die Aufmerksamkeit bei den Gesprächsteilnehmern wird durch Pausen, Betonungen, dem Sprachtempo und dem Lautstärkewechsel gesteigert. Deshalb: „Wenn du andere überzeugen willst, muss ein Feuer in dir brennen.“
In Gesprächen kommen die rhetorischen und psychologischen Steuerungshebel der Dialogsteuerung hinzu.

Das Interview wurde anlässlich eines Rhetorik Seminars Oktober 2016 im Kloster Obermarchtal geführt.

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Tagungsstätte Kloster Obermarchtal bei Ulm

Dr. Ulrich Ulonska, Jahrgang 1956, studierte Germanistik, Sozial- und Sprechwissenschaft. Er promovierte in Rhetorik, Kommunikationswissenschaft, Sozialpsychologie und Psychologie der Politik an der Universität Göttingen. Dort war er über 15 Jahre Lehrbeauftragter.

Seit 1986 ist Herr Ulonska Rhetoriktrainer an Universitäten (D, A, CH), in öffentlichen Organisationen, in der Wirtschaft und in der Politik. Ulrich Ulonska zählt zu den bekanntesten Rhetorik Trainern im deutschsprachigen Raum.

Dr. Ulonska hat zahlreiche Beiträge zum Thema Rhetorik veröffentlicht. Er ist Autor der Bücher:

„Rhetorik“, Deutscher Sparkassen Verlag, Stuttgart 2003.

„Rhetorik für Führungskräfte“, 2. Auflage, Borsdorf 2013.

 

Ist das Sterben der Apotheken vorprogrammiert?

Neuorientierung der Apotheker zwingend notwendig

Land auf und Land ab beklagen Apotheker, dass es um ihre wirtschaftliche Situation schlecht gestellt sei. Versandapotheken nehmen Umsätze und Gewinne weg, das EUGH genehmigt den Versand von verschreibungspflichtigen Medikamenten aus dem Ausland nach Deutschland und einige Drogerieketten verkaufen vermehrt verschreibungsfreie Medikamente, die bislang nur über den Apothekentresen an die Patienten abgegeben wurden. Zu dem sich wandelnden Geschäftsmodell der Apotheken befragte ich den Pharmavertriebsexperten Hanno Wolfram zu deren Situation in Deutschland.

Jürgen Bause: Wie sehen Sie die Situation der niedergelassenen Apotheken in Deutschland nach dem Urteil des europäischen Gerichtshofs zur Rabattgewährung für verschreibungspflichtige Arzneimittel?

 

Wolfram: Zunächst bin ich sicher, dass es „die Apotheke“ bereits schon lange nicht mehr gibt. Es gibt einige Apotheken, die unternehmerisch geführt werden und im Grundsatz wie ein Gesundheits-Discounter aufgestellt sind. Eine deutlich größere Zahl von Apotheken sind inhabergeführt, versorgen einen bestimmten Sprengel in einer Gemeinde oder Stadt und haben einen großen Teil regelmäßiger Kunden.

Frage: Was ist für Sie der größte Unterschied zwischen diesen beiden Kategorien?

Wolfram: Bei den Apotheken, die sich selbst als Gesundheitsdiscounter darstellen, regelmäßig mit Sonderangeboten Kunden in ihre Verkaufsräume locken, kann ich nur noch eine geringe Tendenz zum traditionellen Heilberuf des Apothekers erkennen.

Die Inhaber geführten Apotheken, die ihre Patienten kennen, deren Kunden regelmäßig kommen und um Hilfe, Aufklärung oder Unterstützung bitten, sind aus meiner Sicht diejenigen, die am besten mit dem Bild der „Tante-Emma-Apotheke“ umschrieben sind. Häufig sind dies auch soziale Treffpunkte, wo Viele sich ungezwungen und geschützt über ihre gesundheitlichen Probleme austauschen und Rat bei dem Apotheker finden, der sie kennt und dem sie vertrauen.apotheken

Frage: Was bedeutet nun die Rechtsprechung zum Rabatt des EuGH für die beiden Apothekentypen?

Wolfram: Apotheken, mit dem Auftreten eines Gesundheitsdiscounters haben damit sicher kein Problem. Ich denke, dort werden wie in allen anderen Unternehmen auch, bereits Strategien für den Tag entwickelt, wenn aus der Arzneimittelpreis-Verordnung eine Höchstpreisverordnung wird. In diesen Apotheken gibt es Vorstellungen, wie viel Mehrumsatz durch die Rabattgewährung generiert werden kann und wie hoch deswegen der Rabatt pro Rezeptzeile sein kann, ohne die Gesamtmarge zu gefährden.

 

 

 

Die inhabergeführte Apotheke muss sich eher keine Sorgen machen, dass Umsatz und Gewinn sich durch einen Arzneimittelhöchstpreis weiter reduzieren. Sie wird nur sehr wenige Kunden haben, die ihr den Rücken kehren. All die Stammkunden, die in der Nachbarschaft wohnen, meist älter und damit chronisch erkrankt sind, werden ihr treu bleiben. Sobald aber, ein Apotheker beginnt, mit seiner Tante-Emma-Apotheke in eine Rabattschlacht einzusteigen, wird ihn das gleiche Schicksal ereilen wie den Tante-Emma-Lebensmittelläden: Sie sind allesamt verschwunden.

Frage: Wie begründen Sie Ihre Einschätzung, dass die inhabergeführte Apotheke nicht unter den Rabatten leiden wird?

Wolfram: Aus meiner Sicht ist die Welt der Apotheke wesentlich heterogener, als sie gemeinhin dargestellt wird. Denken Sie an die Versorgung von Patienten in kleineren Ortschaften, mit einigen Hausärzten und nur wenigen Fachärzten. Ebenso beachten müssen wir, dass Apothekenkunden im wesentlichen die Älteren sind. Die Zusammenarbeit zwischen diesen Hausapotheken und den meist geographisch zugeordneten Hausärzten, ist in aller Regel positiv und unterstützend. So kann diese Apotheke als besonders niederschwelliger Zugang in das Gesundheitswesen gesehen werden. Sehr oft wird hier der Rat erteilt: „Wenn ich Sie wäre, würde ich jetzt mal zu meinem Hausarzt gehen.“ Diese Apotheker sind in aller Regel Heilberufler, haben ein entsprechendes Selbstverständnis und kennen die Geschichten und Geschichtchen ihrer Patienten. Gleichermaßen gilt dies für deren Mitarbeiterinnen, bei denen sich die Patienten aus der Nachbarschaft regelmäßig gut aufgehoben fühlen. Das „sich aufgehoben fühlen“ und „solche Einkaufserlebnisse“ sind in aller Regel weder von einer Versandapotheke noch von einem Gesundheitsdiscounter zu leisten.

Frage: Wie sehen Sie dann die Arbeit der verschiedenen Apothekenverbände?

Wolfram: wie bei den Pharma-Unternehmen auch, sollten die Apotheker beginnen, ihre Verbandsstrukturen so zu verändern und ggf. neue Verbände zu gründen, die den Kategorisierungen entsprechen. Es ist aus meiner Sicht praktisch nicht möglich, dass ein Apothekenverband Apothekendiscounter mit Umsätzen im zweistelligen Millionenbereich und den Tante-Emma-Apotheker um die Ecke gleichzeitig und sachgerecht vertreten kann. Die Interessenslage und das Geschäftsmodell der beiden erscheinen viel zu divergent zu sein.

Frage: Sie sagen, die Mehrheit der Apotheken gehöre in die Kategorie der inhabergeführten Apotheke. Was würden Sie diesen Apothekern für die nähere Zukunft raten?

Wolfram: Betriebswirtschaftlich geht es um die Klärung der strategischen Ausrichtung der jeweiligen Apotheke. Bezugnehmend auf die angedeutete Kategorisierung muss es für den Tante-Emma-Apotheker darum gehen, sich unbedingt so aufzustellen, dass er als Heilberufler wahrgenommen wird. Dabei kann es nicht nur darum gehen, die Beratung bei der Arzneimittelabgabe „entsprechend den Anforderungen der Stiftung Warentest“ zu überstehen, sondern es muss um Zwischenmenschlichkeit, Fürsorge, Kenntnisse des Quartiers und der persönlichen Lebenssituation eines Kunden oder Patienten gehen. In diesen Apotheken ist „Kümmern“ angesagt. Jedwede Rabatt Aktion, schreiende Schaufensterwerbung, zum Kaufen drängende Aufsteller und Sonderangebote können in einem solchen Fall kontraproduktiv sein. Menschliche Wärme, ein wenig Gemütlichkeit und vielleicht sogar ein Bistrotisch wo sich die Patienten beim Warten unterhalten können, sind aus meiner Sicht Beispiele differenzierender und werthaltiger Merkmale für eine prosperierende Zukunft.

Frage: Wie denken sie wird die Apotheke in der Politik wahrgenommen?

Wolfram: Wir müssen konstatieren, dass bei der letzten Gesetzgebung zum Medikationsplan die „Apotheke“ nicht stattgefunden hat. Daraus kann man ableiten, dass aktuell Apotheker in der Politik mehr der Spezies „Kaufmann“ zugeordnet werden. Derjenige, der ein mehrheitlich oder ausschließlich betriebswirtschaftliches Interesse an Arzneimitteln hat, wird auch in Zukunft kein Ziel der Politik sein. Analog dazu gibt es keine Gesetzgebung, die andere Discounter vor Konkurrenz und Wettbewerb schützt oder vor anderen bevorzugt.

Sobald allerdings Apotheker als Heilberufler in Politik und Öffentlichkeit wahrgenommen werden, entsprechende Aufgaben glaubwürdig übernehmen und gemeinsam mit den Ärzten an einem verbesserten Outcome für Patienten arbeiten, kann ich mir gut vorstellen, dass die politische Akzeptanz für spezifische und honorierte Versorgungsaufgaben für Apotheken deutlich wachsen wird. Wenn wir über unsere Landesgrenzen hinausschauen, sehen wir, dass Apotheker bereits impfen, Rezepte für Chroniker verlängern und für ihre Patienten viele segensreiche Hilfestellungen leisten. Solche Leistungen sind dort mit Honoraren ausgestattet(sic!).

Frage: Was wäre ihr zentraler Vorschlag zur Verbesserung der aktuellen Situation der Apotheken?

Wolfram: Es wird in Zukunft nicht mehr sinnvoll sein, in Politik, Öffentlichkeit oder Medien von „den Apotheken“ zu sprechen. Die Unterschiede zwischen Versandapotheken, den Apothekendiscountern und den sog. Tante-Emma-Apotheken sind evident. Lange ist es überfällig, dass sich diese Gruppen auch entsprechend positionieren und durch ihre Verbände und Organe differenziert Stellung nehmen und vertreten lassen. Die Versandapotheken haben es vorgemacht.

Einen Obersten Gerichtshof nach getaner Tat zu schelten, bzw. der Versuch zu retten, was zu retten ist, erscheinen kurzsichtig. Ob das knappe Votum des Bundesrats zum Verbot des Versandhandels dabei zum „Muster ohne Wert“ verkommt, werden die kommenden Wahlkampfmonate zeigen.

Die ökologische Nische für den Apotheker mit seiner eigenen Apotheke ist mehr als ausreichend groß und bei entsprechender Positionierung wird sie ertragreich bleiben. Es bedarf dazu intensiven Nachdenkens und ein wenig sachgerechter, betriebswirtschaftlicher Beratung. Pharma-Unternehmen, die selbst nur in Rabatten denken, erscheinen dabei als Berater denkbar ungeeignet.

Apothekendiscounter wird es in Zukunft dort geben, wo es um Laufkundschaft, hohe Kundenfrequenz und einen möglichst hohen Umsatz pro Beratungsminute oder Regalmeter geht. Der Preiswettbewerb ist der Kern dieses Geschäfts. Hier wird, wie in anderen Märkten, der Einkauf die Quelle der Gewinne sein. Qualitätswettbewerb, wie im Lebensmitteleinzelhandel, kann es im Apothekensortiment praktisch nicht geben. Die einschlägige Industrie wird hier Rabatte liefern müssen, demnächst vielleicht auch bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln.

Der Verzicht auf Fürsorge für den Patienten oder Kunden birgt immer das gleiche Risiko: Woanders gibt es noch mehr Rabatte, ein noch besser sortiertes Lager oder die noch nettere oder schnellere Bedienung. Da sind loyale Stammkunden eher schwer zu gewinnen und fast unmöglich, sie über Jahre als solche zu behalten.

Wenn es tatsächlich zur Höchstpreisverordnung kommt, müssen und werden die meisten Patienten verstehen, dass die Leistungen eines Heilberuflers, bei dem sie sich wohl-, aufgehoben und verstanden fühlen, mit x% Rabatt, SALE oder auch einfach „billiger“, inkompatibel sind. Apothekern die Heilberufler sind und sich auch als solche verstehen, darf deswegen manches betriebswirtschaftliche Wissen fehlen, wenn es durch menschliche Wärme ersetzt wird.

Jürgen Bause: Vielen Dank, Herr Wolfram, für dieses Interview.

 

Jürgen Bause                                                                                                     Hanno Wolfram Medizinjournalist                                                                                             www.innov8.de

Pharma-Zukunft ist besser, weil anders

Biberach, 20. Juli 2016. „Heute ist die Rolle des Außendienstes ziemlich klar. Entsprechend des Besuchsplans besucht er den Arzt, liefert seine Nachricht ab und berichtet Vollzug. Danach geht er zum nächsten Arzt und wiederholt es.“ So beschreibt den Pharma-Außendienst Robert Chu von IMS. Einer, der es wissen sollte.

Wenn dies wirklich so ist, sind Zukunftssorgen mehr als berechtigt. Der Satz belegt, dass sich in den letzten 30 Jahren in den Unternehmen nur wenig verändert haben kann. Dabei steigt der Veränderungsdruck von außen weiter. Veränderung hat intern aber zu wenig Bedeutung, denn die Gewinne der Pharmaindustrie sind auf einem mehr als auskömmlichen Niveau.

Ernst & Young hat im Juni 2016 berichtet, dass die TopTen der Pharmabranche insgesamt auf eine EBIT-Marge von gut 26 % kommen. Die großen Biotech-Unternehmen erreichen allesamt mehr als 40 %. Im direkten Vergleich erreichen Automobilzulieferer 2015 global eine Rekordmarge von gerade einmal 7,6%. Der Vergleich von drei deutschen Pharmaunternehmen zeigt auf, warum es operativ wenig Grund zur Änderung zu geben scheint. Generikahersteller können davon wahrscheinlich nur noch träumen, denn die Rabattverträge haben in den letzten Jahren ihren Tribut gefordert. Nachdem die Bundesregierung mitgeteilt hat, dass die Einsparungen aktuell mehr als 3,6 Milliarden € betragen, ist dies eine Summe, die nicht mehr als Gewinn, sondern als Rabatt verbucht werden muss.

03 EBIT vs Auto

Wahrscheinlich lässt es sich mit weniger als 40% Profit ebenfalls gut leben. Selbst geringe Margen müssen aber abgesichert werden, denn Pharmaunternehmen sägen mit Rabatten weiter an ihrem eigenen Rendite-Ast.

Bei den weitaus meisten Arzneimitteln gilt inzwischen freie Austauschbarkeit. Vor etwa 10 Jahren ist die Pharmaindustrie dem Gesetzgeber auf den Leim der vertraglichen Beziehungen zwischen Krankenkassen und Arzneimittelherstellern gegangen. Seitdem dreht sich die Rabattspirale, Margen und Anzahl der Pharmaunternehmen werden nach dem Motto kleiner: „Wenn man sich nicht unterscheidet, sollte man mindestens billig sein.“ Bei näherem Hinsehen erscheint es doch an der Zeit, dem Verfall von Preisen und Margen etwas entgegen zu setzen. Einen aktiven Beitrag für Leistungserbringer und die bessere Versorgung von Patienten zu leisten, ist sicher zukunftsträchtiger, als nur Tablettenschachteln zu verkaufen. Das Gesundheitssystem braucht dringend das Wissen, die Fähigkeiten und Ressourcen der Pharmaindustrie.

Von den HealthcareShapers und mit InteractiveMedica als Sponsor, wurde das Pharma-Colloquium als Katalysator neuer Geschäftsmodelle konzipiert. Entscheider und Gestalter sind eingeladen, in der DenkWerkstatt mit zu überlegen, wie Fähigkeiten und umfassendes Wissen von Pharmaunternehmen für eine bessere Patientenversorgung eingesetzt und daraus zukunftsrobuste Geschäftsmodelle begründet werden können.

Am 27. / 28. Oktober treffen sich Entscheider und Gestalter aus Pharma-Unternehmen zum ersten Pharma-Colloquium. In dieser gemeinsamen Denk-Werkstatt soll überlegt werden, wie die weitreichenden Fähigkeiten, das umfassende Wissen und die vorhandenen Ressourcen von Arzneimittelherstellern für eine bessere Patientenversorgung eingesetzt werden können.

Pharmavertrieb in Polen

Biberach 18.Jan.2016(baj)Die Veränderungen des Pharmavertriebs stand im Mittelpunkt der jährlichen SFE (Sales Force Effectiveness) Konferenz am 2. und 3. Dezember 2015, zu der die Blue Business Media  Pharmamanager und Entscheidungsträger aus dem Gesundheitsmarkt nach Warschau eingeladen hatte.

Eines der herausragenden Themen der Konferenz war die Fragen was mit den alten, tradierten Vertriebsmodellen der pharmazeutischen in Polen Industrie geschehen soll: Was ändert die Industrie aus eigener Initiative, oder werden sie geändert? Die Strukturen von Pharmaunternehmen und die Führung der Außendienste sind in fast allen Ländern gleich. „Seit Polen Mitglied der Europäischen Union ist, sind die Unterschiede im Pharmavertriebs zu Deutschland nur noch sehr gering“, erklärte Hanno Wolfram von dem Pharma Beratungsunternehmen Innov8. Der Key-Note Speaker hob hervor, dass die Generikaquote mit etwa 75 Prozent in Polen noch deutlich geringer ist, als im besonders wohlhabenden Deutschland. „Vernachlässigbar sind die Unterschiede erst recht, wenn es sich um europäische oder internationale Unternehmen handelt, die in allen Ländern praktisch gleich aufgestellt sind.

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Hanno Wolfram, INNOV8

 

Arzt ist kein Kunde der Pharmaindustrie

Etwa 150 Manager internationaler und polnischer Pharmaunternehmen diskutierten mit Hanno Wolfram ober die Reputation der pharmazeutischen Unternehmen unter den heutigen Gesichtspunkten des Vertriebs. Seit die Pharmaindustrie als Sponsor für die Ärzte ausfällt, haben auch in Polen immer weniger Ärzte Interesse an einer Zusammenarbeit mit den Firmen. In Polen werden immer mehr Türen von Arztpraxen für den Außendienst der Pharmaindustrie geschlossen bleiben, so Hanno Wolfram. Politische Entscheidungen und neue Gesetze verändern den Pharmamarkt in Polen mit einem Gesamtvolumen von etwa 7 Mrd. Euro. Die Gewinnspannen der Industrie werden erheblich reduziert. Trotz regulatorischer Eingriffe und einem ausgeprägtem Ausschreibungsgeschäft betrachten viele Pharmamanager immer noch den verordnenden Arzt als ihren „Kunden“. Im krassen Gegensatz zur aktuellen Situation sind am Ende der Tagung 80 Prozent der Teilnehmer der Auffassung, dass die Zukunft jenseits des „Pillenverkaufs“ liegen wird. Um eine sinnvolle Zukunft für sich selbst zu sichern, wird die pharmazeutische Industrie dem „Verkaufen“ bald entsagen und sich aktiv in eine verbesserte Patientenversorgung einbringen müssen.
Der Präsident der polnischen Krankhausgesellschaft, Professor Jaroslaw J. Fedorowski forderte zum Abschluss der Konferenz:“ Wir erwarten von den Herstellern, dass sie mit uns ein gemeinsames Modell der Zusammenarbeit entwickeln.“

Kongressbericht von Jürgen Bause